Mehrspieler

Spielgenre | Mehrspieler | EinzelspielerKillerspiele
 
Jungen haben es schon immer getan, auch wenn sie bei Mädchen und Müttern auf Unverständnis stießen. Ob nun mit selbstgebastelten Holzschwertern oder Stöcken, ob mit Spielzeug- oder Wasserpistolen oder nur in Form einer profanen Schneeballschlacht. „Krieg“ gespielt wurde immer. Selbst im Kinderzimmer traten bei Playmobil und Lego je nach Szenario Cowboy und Indianer oder Ritter gegen Drachen an. Damals gab es auch leidige Probleme, die oft in Streitereien gipfelten. Allein bei der Frage, ob man den nun getroffen sei oder nicht, konnte aus dem Spiel ein Streit werden.

Die Mehrspielervariante von Shootern kann man sich wie den digitalisierten Kampf von Playmobilfiguren mit und gegen Freunde vorstellen. Hier steuert jeder Spieler seinen virtuellen Zinnsoldaten, der je nach Szenario anders gekleidet und bewaffnet ist. In „Wild-West“ Shootern ziehen Cowboys mit Revolvern ins Gefecht, bei „Battlegrounds 2“ treten Soldaten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges mit bajonettbewehrter Muskete gegeneinander an und bei Spielen, die in die Neuzeit fallen, sind es Maschinengewehre und Handgranaten. Wenn man eine gegnerische Spielfigur geschlagen hat freut man sich – nicht weil diese nun ins virtuelle Gras beißt sondern weil man schlauer und schneller als derjenige war, der sie gelenkt hat. So freut man sich bei Schach ja auch nicht, weil man eine Spielfigur umkippen darf, sondern weil man die Absichten seines Gegenübers erkannt und erfolgreich gekontert hat. Bei Mehrspielershootern passiert also im Grunde nichts anderes als das, was schon immer in Kinderzimmern stattgefunden hat.

Da nun anstelle des Ausdiskutierens, wann wer (nicht) getroffen wurde, eine Gewissheit getreten ist, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Wie ein Brettspiel kann ein Ego-Shooter kompetitiv in einem Wettkampf gespielt werden, bei dem es auf Geschicklichkeit, Reaktionsschnelligkeit, Konzentration und das Zusammenspiel mit den Mitspielern ankommt. Die Ziele können dabei unterschiedlich sein. Die einfachste Variante, sich wie in einem klassischen Western zu Duellieren, ist dabei recht selten. Stattdessen muss man z.B. dem gegnerischen Team eine Fahne klauen während man die eigene beschützen muss. In anderen Spielen muss ein Sondereinsatzkommando der Polizei Geiseln befreien oder eine Bombe entschärfen, was die Gegenspieler jeweils verhindern sollen. Die meisten Gamer nutzen Videospiele natürlich als Freizeitbeschäftigung. So trifft man sich übers Internet oder real auf einer LAN-Party um wie auf einem Spieleabend zusammen mit Bekannten Zerstreuung zu suchen. Einige verdienen dagegen ihren Lebensunterhalt, in dem sie bei eSport-Turnieren gegen andere proGamer antreten. Während in Deutschland die Szene noch recht überschaubar ist und nur wenige von ihrem Sport leben können sind proGamer in Südkorea gefeierte Popstars. Es gibt sogar TV-Kanäle, die ausschließlich über eSport-Turniere berichten.

Was jetzt genau die verschiedenen Spielvarianten ausmacht und wie sich ein Spielfeld aufbaut versuche ich anhand von Brett- und Feldspielen zu schildern.

Man muss als erstes zwischen Spielen mit und ohne Wiedereinstieg (Respawn) unterscheiden.  Bei Mühle z.B. kann ich, wenn ich eine Spielfigur verloren habe, diese nicht mehr in das Spiel zurückholen. Ich muss bis zum nächsten Spiel warten um wieder mit allen Steinen starten zu können. Anders ist es z.B. bei “Mensch ärgere dich nicht”. Wenn dort eine Spielfigur rausgeschmissen wird ist diese nicht verloren sondern ich kann sie, sofern ich eine Sechs würfle, wieder in das Spielfeld setzen. Der größte Unterschied zwischen “Mensch ärgere dich nicht” und dem Ego-Shooter ist, dass bei ersteren der Spieler alle Spielfiguren seiner Farbe als “Anführer” steuert. Bei einem Ego-Shooter gibt es einen solchen “Anführer” jedoch nicht und jeder Spieler bewegt nur seine eine Spielfigur und muss, wenn diese geschlagen wurde, warten bis diese wieder in das Spiel einsteigen (Spawnen) kann. Während der Wartezeit kann er aber auch dem laufenden Spiel, aus der Perspektive eines Mitspielers, zusehen. In den meisten Fällen spawnen alle rausgeworfenen Spielfiguren zu einem festgelegten Zeitpunkt z.B. alle 20 Sekunden. Damit diese nicht sofort wieder rausgeworfen werden sind die ein paar Sekunden unverwundbar. Da man sich bei dem Ego-Shooter auch nicht mit dem Ziehen der Spielfiguren abwechselt sondern alle alle gleichzeitig steuern ist das Spiel um einiges schneller und chaotischer als ein normales Brettspiel.

Nun  zu den verschiedenen Spielzielen, die sich an anhand gänger Brett- und Geländespiele erklären lassen.

1) Beim Völkerball hat das Team gewonnen, dessen Mitglieder am Ende noch nicht abgeworfen wurden bzw. wenn alle Mitglieder des anderen Teams abgeworfen wurden. Diese Variante nennt sich bei den Shootern “Last Man Standing” (LMS). Bei dieser Spielvariante gibt es natürlich keinen Wiedereinstieg, ansonsten würde das Spiel ja ewig dauern. Es gibt auch keinen “halben” Wiedereinstieg wie in Völkerball, dass die Spieler die draußen sind, wieder reinkommen können. Wenn bei LMS jemand draußen ist bleibt er draußen. Wie bei Mühle.

2) Als nächstes haben wir die Variante, dass wir wieder Völkerball spielen, aber alle die draußen sind steigen sofort wieder am Wiedereinstiegspunkt in das Feld ein. Da bei diesem Spiel nie eine Mannschaft vollständig rausgeschmissen ist wird es zeitlich z.B. auf 15 Minuten begrenzt. Gewonnen hat die Mannschaft, die in der Summe mehr Spieler des gegnerischen Teams abgeworfen hat als selbst eigene Mitglieder vom fremden Team abgeworfen wurden. Diese Spielvariante trägt den martialischen Namen “Team-Deathmatch” (TDM). Bei dem normalen Deathmatch (DM) gibt es keine Teams (alle gegen alle) und es gewinnt der Spieler, der selbst am meisten Gegenspieler abgeworfen hat.

3) Die nächste Variante ist ähnlich wie bei “Mensch ärgere dich nicht”. Aber rausgeworfene Spieler können nicht wieder einsteigen. Nur die Mitglieder eines Teams müssen einen bestimmten Ort erreichen. Die des anderen versuchen sie davon abzuhalten. Diese Variante nennt sich “Escape“. Oft gibt es auch die Abwandlung, dass nur ein bestimmtes Teammitglied den “Fluchtpunkt” erreichen muss. Die anderen müssen diesen VIP dabei eskortieren. Wenn dieser VIP rausgeworfen wird hat das Team verloren.

4) Sehr beliebt ist auch “Capture the Flag” (CTF). Wie bei “Mensch ärgere dich nicht” können die geschlagenen Spielfiguren wieder einsteigen. Die Besonderheit ist, dass jede Mannschaft in der Nähe ihres Wiedereinstiegspunkt eine eigene Fahne stehen hat. Ziel ist es nun die gegnerische Fahne zu klauen und zu der eigenen zu bringen. Sobald dies geschehen ist bekommt man einen Punkt und die geklaute Fahne erscheint wieder beim gegnerischen Team. Der Kniff dabei ist, dass man den Punkt nur bekommt, wenn die eigene Fahne noch da ist. Man muss also sowohl die gegnerische Fahne klauen als auch die eigene beschützen. Gewonnen hat dann das Team, dass nach einer bestimmten Zeit an meisten Punkte hat. Hier ein Video, das Capture the Flag im Spiel Halo zeigt:

5) Am kompliziertesten sind die “Objective” oder auch “Assault” Varianten. Dort gibt es in der Regel eine Mannschaft die verteidigt und eine die angreift. Die angreifende muss unter Zeitdruck ein Objekt stehlen und zu einen bestimmten Ort bringen oder etwas zerstören. Die verteidigende muss die Angreifer davon abhalten. Diese Variante gibt es sowohl mit der als auch ohne die Möglichkeit des Wiedereinstieges. Sollten in der letzten Variante alle Mitglieder eines Teams rausgeworfen worden sein hat dies meistens verloren. Schließlich gibt es dann niemanden der angreifen oder verteidigen kann. Hier ein Objective-Szenario aus CounterStrike:

Es gibt noch etliche Varianten mehr, aber ich denke diese sollten die wichtigsten gewesen sein. Hier noch einige Impressionen der geschilderten Varianten.

- Hier sehen sie eine Szene aus dem Spiel “Enemy Territory”. Dort muss dieses Team einen Treibstoff-Tank beschützen und baut zu diesem Zweck grade einen Zaun vor das Depot (Objective).

 

- Hier folgt der Spieler grade einem Teammitglied, der die Fahne der gegnerischen Mannschaft geklaut hat, und eskortiert diesen zur eigenen Fahne. Das Spiel ist Call of Duty (Capture the Flag).

- Hier sehen sie eine Szene aus CounterStrike. Der Spieler muss die Kisten zerstören und hat dafür schon die rot blinkende Bombe scharf gemacht (Objective).