Einzelspieler

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Die Einzelspielervariante von Ego-Shooter kann man gut als interaktive Filme bezeichnen. Der Spieler selbst ist der „Held”, der die Welt vor dem Untergang oder einem Oberbösewicht rettet. Dabei gibt es eine schier unüberschaubare Bandbreite von unterschiedlichen Subgenres. So gibt es „Survival-“ „Horror-“, „Taktik-“, „Kriegs-“ und „Stealthshooter“. Hier werden Inhalte abgedeckt, die denen vom Kinofilmen wie „James Bond“, „Alien“, „Der Soldat James Ryan“, „Der Pate“ und anderen entsprechen, sowie deren jeweiligen Parodien. Anders als bei der Mehrspielervariante geht es hier meistens nicht um einen sportlichen Wettkampf sondern darum die Story zu durchleben.

Die meisten Spiele haben freilich keinen tieferen Sinn und sind nicht mehr als kurzweilige Action, wie es auch die „Stirb Langsam“-Filme mit Bruce Willis sind. Vielfach wird Gamern unterstellt, dass sie Ego-Shooter Spiele nutzen würden, weil sie irgendwie geartete Machtphantasien hätten. Tatsächlich stellt sich nur bei wenigen Videospielen ein Gefühl der Überlegenheit ein, was eigentlich auch nicht der Grund für das Spielen ist. Tatsächlich wird ein wichtiger Aspekt in der öffentlichen Debatte gerne verschwiegen. In Ego-Shootern kann die vom Spieler gesteuerte Figur nicht nur virtuell töten sondern auch virtuell sterben. Und grade dieses Element, die Angst vor dem eigenen Tod, ist in vielen Spielen das beherrschende Gefühl. Das besondere an den Spielen ist der daraus resultierende Nervenkitzel und Adrenalinrausch, der sich weniger bei Kämpfen sondern vielmehr dann einstellt, wenn nichts passiert.

Ein gutes Beispiel ist hier ein Nachfolger des in den Medien oft erwähnten „Doom“. Auf einer Marsbasis der Menschen hat sich ein Tor zu Hölle aufgetan, aus dem nun schauerliche Gestalten strömen. Der Spieler versucht zu überleben und schleicht durch die dunklen Gänge der Marsstation. Mit notorisch knapper Munition und unzureichender Feuerkraft fürchtet man jede Sekunde ins virtuelle Gras zu beißen. Besonders perfide: In den schlecht beleuchteten Gängen ist man auf eine Taschenlampe angewiesen um angreifende Zombies rechtzeitig zu erkennen. Während man die Taschenlampe benutzt ist es aber nicht möglich eine Waffe zu tragen. Man schlürft also durch dunkle Gänge einer Raumstation und lugt vorsichtig um jede Ecke, da hinter ihr ein Monster warten könnte. Sollte dort tatsächlich eines stehen muss man hektisch solange am Mausrad drehen oder die richtigen Tasten auf dem Keyboard treffen, bis die Lampe weggesteckt und eine Waffe gezogen ist. Wenn man endlich eine Waffe in der Hand hält steht die anstürmende Kreatur meistens schon direkt vor einem, so dass man nur noch die Möglichkeit hat einen Schuss abzugeben. Spieler, denen diese Hektik zu stressig ist, können sich aus dem Internet ein modifizierte Version von „Doom 3“ herunterladen, bei dem die Möglichkeit besteht die Taschenlampe an der Waffe zu befestigen. Dadurch ist das Spiel zwar weniger spannend, aber den Nerven kommt es zu Gute. Allgemeingültige Aussagen über die Motivation ein zu spielen lassen sich aber nur schwer treffen, da diese so unterschiedlich wie die Spieler sein kann.

Auch lässt sich nicht leugnen, dass die Kämpfe dennoch ein zentrales Element der Spiele sind. Solange in einem moralisch einwandfreiem Szenario auf Grund von Notwehr gehandelt wird, haben aber selbst Kritiker von Videospielen an diesem Umstand wenig auszusetzen. Videospiele, die moralisch fragwürdig Handlungsmöglichkeiten anbieten, werden von Öffentlichkeit und Behörden dagegen eher negativ bewertet. So war es zum Beispiel bei „Hitman“, hier spielt man wie Sylvester Stallone im Film „Assassins – Die Killer“ einen Auftragsmörder, und „Max Payne“, hier übt man sich – wie Charles Bronson im Film „Ein Mann sieht rot“ – in Selbstjustiz.

Während der Kriminologe Christian Pfeiffer an die Spieleindustrie appelliert „aus ihren Flegeljahren“ herauszukommen und keine Spiele zu produzieren, „die unter Werteaspekten nicht vertretbar sind“, sehen Journalisten dies differenzierter. So ist nach Christian Stöcker das simple Gut-Böse-Schema kritisch zu hinterfragen, da es „das Töten zu etwas zweifelsfrei Richtigem“ mache. Er fordert dagegen Spiele wie „Grand Theft Auto 4“, in denen werde „der Spieler stets zum gebrochenen Helden, zu einer ambivalenten Figur, deren Mordtaten nicht durch Globalpatriotismus zu rechtfertigen sind.“. Solche Spiele kämen „einen Schritt über das tumbe “Töten ist gut, solange es die richtigen trifft” der meisten Shooter“ hinaus.

Christian Stöcker ist dahingehend zuzustimmen, dass Videospiele, wenn sie als Kulturgut ernst genommen werden wollen, nicht nur Reflexe sondern auch den Geist fordern sollten. Und dazu gehört es auch moralisch schwierige Entscheidungen treffen zu müssen anstatt die Rechtfertigung für „virtuelles Morden“ auf dem Silbertablett präsentiert zu bekommen. Ein großartiges aber auch grenzwertiges Beispiel hierfür ist das Spiel „BioShock“. Der Spieler versucht in einer Anlage auf dem Meeresgrund zu überleben, während er Angriffen von „Splicern“ ausgesetzt ist. Hierbei ist er auf sogenanntes ADAM angewiesen, das von mutierten Mädchen erzeugt wird. Wenn dem Spieler solch eine „Little Sister“ in die Hände fällt hat er die Wahl, ob er ihr das ADAM abnimmt (was ihren Tod zur Folge hat) oder ob er sie heilt. Was der Spieler zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Wenn er das ADAM nimmt kann er das Spiel zwar immer noch beenden aber nicht mehr “gewinnen”. Nur wenn er die Mädchen rettet ist am Ende die Welt gerettet. Obwohl man dies zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht weiß entscheiden sich die meisten Spieler dafür die Kinder zu heilen, auch wenn sie dafür scheinbar Nachteile in Kauf nehmen müssen.

Hier exemplarisch einige Spiele kurz vorgestellt:

Half Life²

Half Life (Der Name steht für Halbwertszeit) ist ein klassischer Ego-Shooter. Das Spiel beginnt damit, dass man ohne jegliche Waffen in einem Bahnhof ankommt. Dieser ist mit Zäunen umgrenzt und vermummte Wachleute stehen mit Schlagstöcken in der Gegend herum. Auf seinen Weg durch den Bahnhof kriegt man nebenbei mit, wie diese einen Menschen foltern. Während des Spieles erfährt man, dass die Erde anscheinend von Außerirdischen angegriffen wurde und die Menschheit verloren hat. In einer Art Guerilla-Kampf versucht man nun nicht nur ums eigene Überleben zu Kämpfen sondern will der Besatzung, die ein totalitäres Regime als Regierung installiert hat, ein Ende bereiten. Dabei bekämpft man, ähnlich wie in dem Film “Krieg der Welten” auch dreibeinige Roboter (siehe Bild oben), die die Zivilbevölkerung terrorisieren. Dieses Spiel dürfte einem normalen Actionfilm entsprechen.

Doom 3

Doom ist ein von der Gewaltdarstellung sehr exzessives Spiel. Die Handlung ist etwas stumpf und passt somit zum restlichen Spiel. Ort der Handlung ist eine Marsbasis, in der sich tatsächlich ein “Tor zur Hölle” aufgetan hat. Groteske Kreaturen (siehe oben) greifen nun alle Bewohner an und der Spieler muss um sein Leben fürchten.
Der Spielinhalt an sich ist mit einem Horror-Film vergleichbar. Man irrt durch dunkle schlechtbeleuchtete Gänge und wird von plötzlich durch Wände oder Decken brechende Monster angegriffen und versucht diese panisch zu erschießen bevor sie einen selbst zerfleischt haben. Dabei gibt es einige ekelige Szenen, wie z.B. Kreaturen, die man dabei überrascht wie sie einen anderen Menschen verspeisen, der anscheinend auch sein Glück in der Flucht versucht hat. Es gibt auf Grundlage des Spieles sogar einen gleichnamigen Horror-Film, der auch in den Kinos lief. 

Serious Sam II

Serious Sam ist eine einzige Verballhornung des Ego-Shooter-Genres wie der Film “Hot Shots” Actionfilme auf die Schippe nimmt. Es gibt eine Handlung, die an Schwachsinn nicht zu überbieten ist. Ein blinder Schmied hat ein Amulett erschaffen. Mit dem man die Herrschaft über das Universum erlangen kann. Es wurde also zerteilt und auf verschiedenen Planeten versteckt. Der Spieler muss diese Teile vor einem Bösewicht finden, der damit die Herrschaft über das Universum an sich reißen will. Diese “Handlung” nimmt das Spiel selbst nicht ernst und dient als Alibi um sich durch Tausende von Gegnern zu schießen. Dabei begegnet man Hexen (links), Zombies mit Pickelhaube und Maschinengewehr (links), 5 Meter große Footballspieler, die versuchen einen über den Haufen zu rennen, eine Biene mit dem Namen “Sumsum”, die 10 Meter lang ist und den Spieler angreift, und vieles Schwachsinniges mehr. 

Nolf 2

Nolf (No one lives Forever) ist eine Parodie auf Agenten-Filme wie James Bond. Man spielt eine an die Dame aus Austin Powers erinnernde Agentin namens “Cate Archer”, die die Welt vor einen Bösewicht retten muss. Dabei macht man auch Bekanntschaft mit dem “König den Pantomimen”, der auf dem Bild links grade auf einem Einrad vor uns flieht. Wir selbst befinden uns auf den Schultern eines Freundes, der die Verfolgung mit einem Dreirad aufgenommen hat. Das Spiel ist an Humor kaum zu überbieten, und auch Michael Mittermeier, mit seiner Freundschaft zu Pantomimen, dürfte seine helle Freude an diesem Spiel haben. Dem Spieler steht neben Roboterpudeln auch Hightechgerät wie eine Banane zur Verfügung, das man zum Teil auch zwingend einsetzen muss. So gibt es Stellen, an denen man nur weiterkommt, wenn man den Gegner nicht tötet.

Bioshock

Bioshock ist, wie kann es anders sein, ein Ego-Shooter. Das Spiel ist vor kurzem erschienen und darf ausschließlich an Volljährige verkauft werden. Es ist das Jahr 1960 und der Protagonist befindet sich in einem Flugzeug über dem Atlantik. Plötzlich stürzt es ab und der Spieler findet sich unter Wasser wieder. Nachdem er es geschafft hat an die Wasseroberfläche zu kommen ist er von den brennenden Wrackteilen des Flugzeuges umgeben. Rätselhafterweise befindet sich dort ein Leuchtturm, auf dessen Fundament man sich rettet. Man folgt den Treppen zu einer Tür, hinter der sich ein prunkvoller Raum im Stil der Zwanziger Jahre befindet. mehr [...]