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Dieses Video zeigt exemplarisch einige Fehler, die in Fernsehsendungen bei der Berichterstattung über “Killerspiele” gemacht wurden.
Es wurde mir oft unterstellt, dass ich mit diesem Video Shooter verteidigen wolle. Das ist nicht der Fall. Ich habe ja nichts gegen eine Diskussion über Videospiele. Ich finde sie sogar berechtigt und notwendig. Ich finde es aber schlimm, mit welchen Mitteln diese Diskussion geführt wird. Mir geht es allein um eine objektive und vor allem sachlich richtige Berichterstattung zu dem Thema. Ich selbst bin mir durchaus im klaren, dass viele Fehler nicht relevant erscheinen. Manche falsche Angaben, wie dass der Spielmodus “Capture the Flag” in “CounterStrike” (CS) sei, sind tatsächlich völlig wurscht, bis auf den Umstand, dass sie falsch sind. Für mich selbst sind aber viele Punkte durchaus von Bedeutung, wie ich im folgenden erläutern werde. Auch ist es richtig, dass es Spiele mit dem geschilderten Gewaltniveau tatsächlich gibt. Weshalb ich es doch relevant finde, welchen Brutalitätsgrad man einem Spiel andichtet, versuche ich kurz zu erläutern. Es wird sowohl über den Umfang des Problems als auch über die Qualität der Arbeitsweise der USK getäuscht. So hat das recht harmlose CS bei den Online-Spielern einen Anteil von ca. 30 %. Danach folgt das auch noch recht harmlose ”CounterStrike: Source” mit ähnlich viel. Das nächste Spiel mit einer härteren Gewaltdarstellung ist erst “Enemy Territory” mit einem Anteil von nur 5 %.
Als Vergleich: Wenn in einer Sendung gesagt würde, dass hochprozentiger Alkohol an Jugendliche ab 16 verkauft werden dürfe (der aber nur an Volljährige verkauft werden darf) und dass dieser den größten Anteil beim Verkauf an Jugendliche ausmachen würde (obwohl dort so was wie Becks-Lemon vorne liegen und nur zwei hochprozentige Produkte auftauchen würden), wäre man auch über die Gesetzeslage und das Ausmaß des Problems (Ausmaß des Verkaufs von Hochprozentigem an Jugendliche) getäuscht worden. Mit diesem falschen Hintergrundwissen nimmt man die ganze Problematik anders wahr.
- Die Relevanz der Fehler:
a. Die gebetsmühlenartigen Aussagen von Fernsehsendungen und Zeitungen, dass Amokläufer “CounterStrike” gespielt hätten bzw. bei ihnen “Killerspiele” gefunden wurden führt dazu, dass breite Schichten der Bevölkerung glauben, dass diese Spiele ursächlich seien. So ist auch die Mehrheit der Deutschen für ein Verbot von “Killerspielen”, was auch immer man sich darunter vorstellen darf. In diesem Fall mag es zwar stimmen, dass die beiden Amokläufer statt “CounterStrike” andere Shooter gespielt haben, aber dann soll man das auch so schreiben. In einer regionalen Zeitung hier in Bremen wurde ein Lehrer mit der Aussage zitiert, dass nicht alle, die “CounterStrike” spielen würden Amok laufen, aber alle Amokläufer hätten “CounterStrike” gespielt. Durch diese Vereinfachung und regelmäßige Übung (Videospiele in Verbindung mit Amokläufen nennen) erzeugt man ein falsches Bild der tatsächlichen Gründe, die die Täter zu Amokläufen veranlasst haben und trägt zu einer Stigmatisierung von Videospielen allgemein und “CounterStrike” im Besonderen bei. Die schönste Blüte dieser Praxis war, als Herr Prof. Dr. Christian Pfeiffer nach dem Amoklauf in Blacksburg gleich ein Verbot von “Killerspielen” gefordert hat, obwohl der Täter Spiele dieser Art gar nicht genutzt hat.
b. “CounterStrike” wird von vielen oft für ein Beispiel von harmloseren Ego-Shootern angeführt, da es vorrangig um das Teamspiel gehen würde und das alleinige Töten nicht der einzige Zweck sei. Wenn nun von hartaberfair behauptet wird, dass es in diesem Spiel die vergleichsweise stumpfe Variante Deathmatch geben würde, wird auch hier ein falscher Eindruck von diesem Taktik-Shooter vermittelt, der die Diskussion über E-Sport und sportlichen Wettkampf in Online-Shootern als unglaubwürdig erscheinen lässt.
c. In der Debatte geht es oft auch darum, dass gewalthaltige Videospiele für viel zu junge Kinder und Jugendliche freigegeben und zugänglich wären. Hier setzen z.B. Herr Prof. Dr. Pfeiffer mit seiner Kritik an der USK, Frau von der Leyen mit ihrem Sofortprogramm und auch Bayern mit deren Gesetzesinitiative an (Änderungen der Vorschriften über Indizierungen). Durch die falsche Darstellung der in den Videospielen “GTA: San Andreas” und CS enthaltenen Gewaltdarstellungen bzw. die Beschreibung von Gewaltdarstellungen eines härteren Kalibers verbunden mit der angeblich niedrigen Altersfreigabe wird ein falsches Bild der Kennzeichnungspraxis der USK gezeichnet und ein Reformbedarf der Verfahren konstruiert. Dass in der Praxis junge Spieler an diese Spiele herankommen steht auf einem anderen Blatt und hat nichts mit einer unterstellten zu laschen Handhabung von gewalthaltigen Videospielen durch die USK, sondern mit einer mangelnden Kontrolle der Händler bzw. einer nicht vorhandenen Sensibilisierung der Eltern für das Thema zu tun.
d. Ich empfand es als ein starkes Stück, dass sowohl Herr Plasberg als auch der Gast (im Video nicht vorhanden) es für nicht verwunderlich hielten, dass man durch Untersuchungen zweifelsfrei nachweisen könne, dass gewalthaltige Videospiel Hirne degenerieren lassen würden. Wo es noch nicht einmal gelungen ist eine Auswirkung der gewalthaltigen Komponenten auf aggressive Handlungen nachzuweisen ist eine solche Aussage mehr als starker Tobak. Ich empfinde solche falschen Darstellungen der Forschung als sehr gefährlich, vor allem da sie in vielen Sendungen auftauchen. Es wird der Öffentlichkeit somit ein Bild über die Wirkung von Videospielen vermittelt, dass nur in den Medien existiert und nicht ansatzweise den Stand der Forschung wiederspiegelt.
e. Die falsche Beschreibung von “World of Warcraft” (WoW) ist eher ein Schmankerl für Spieler. Herr Pfeiffer wird versucht haben, das Spielprinzip des bzgl. des Inhalts unbedenklichen, guten, WoW auch für Laien anschaulich darzustellen. Was dabei aber herausgekommen ist, ist eine Beschreibung, die weniger auf WoW sondern mehr auf die soeben verteufelten Taktikshooter wie CS oder “Battlefield” passt. Durch diese Aussage hat er sich in meinen Augen selbst disqualifiziert. Warum gibt es bei WoW nur den einen bedenklichen Aspekt, den der Sucht, wohingegen bei dem – vom Spielprinzip nach eigener Aussage ja annähernd identischen – CS der Spieler zum Amokläufer werden kann?
f. Die Aussage, dass man mit Videospielen das Zielen trainieren könnte ist für mich schlicht ein Witz. In der Stellungnahme ist Frontal21 ja auch auf diesen Punkt eingegangen und hat geschrieben, dass das sehr wohl der Fall sei. Als Beispiel wurden einige vom US-Militär genutzte Videospiele angeführt. Diese Spiele werden alle vom US-Militär zum Training der Soldaten genutzt, aber keines wird dafür verwendet um Soldaten das Zielen mit einer Waffe beizubringen. Das Problem ist, dass die Bevölkerung das glaubt und sogar irriger Weise annimmt, dass Amokläufer ihre Schießkünste mit Videospielen und nicht in dem Schützenverein, in dem sie Mitglied waren, geschult haben. Hier wird Videospielen eine Gefahr angedichtet, die sie schlicht und einfach nicht enthalten.
g. Bei der Darstellung von “Doom 3″ verweise ich nach oben. Durch die Gestaltung des Clips wird der Anschein erweckt, dass das Spiel – da nicht jugendgefährdend – für Jugendliche zugänglich sei. So werden die Jugendlichen auch nicht wie sonst in einem dunklen Zimmer von hinten spielend gezeigt, was ja bei dem mündigen Zuschauer die Assoziation weckt, dass die was Verbotenes tun, sondern man zeigt eine Gruppe Kinder lässig auf einer Couch sitzen, die sich fröhlich durch das Game metzeln, als sei es das normalste der Welt. Es mag sein, dass dies tatsächlich Realität ist, aber es wird vollkommen unterschlagen, dass die Jugendlichen das Spiel eigentlich nicht spielen dürften, da das Spiel ab 18 ist. Auch hier wird durch das Verschweigen der Jugendfreigabe der Eindruck erweckt, dass es ein Problem bei der Freigabe für Jugendliche gebe. Obwohl es, wie gesagt, bei dem Handel bzw. den Eltern liegt. Allgemein finde ich es seltsam, dass man bei Videospielen eher geneigt ist die Gesetze zu verschärfen, als es bei Alkohol oder Zigaretten der Fall ist. Eltern können ihre elterliche Sorge bezüglich des Kindeswohls beim Rauchen und Trinken nur eingeschränkt wahrnehmen, da die Kinder quasi überall Rauchen und Trinken können, wo sie wollen. Bei Videospielen sieht das eigentlich anders aus. Die Kinder haben den PC im Zimmer und es wäre für die Eltern ein leichtes festzustellen, was die Kinder da spielen. Die Kontrollmöglichkeiten der Eltern sind also um ein vielfaches besser als bei den anderen Problemfällen. Die Kinder könnten theoretisch auf Freunde ausweichen oder auf einem Notebook spielen. Aber auch ein Notebook kann man kontrollieren und sich mit den Eltern der Freunde des Kindes abstimmen. Dieses sind aber eher hypothetische Möglichkeiten, da tatsächlich den Eltern ja vollkommen egal zu sein scheint, was der Sohnemann da eigentlich am PC macht. Sie lassen ihn einfach gewähren. Und solange das der Fall ist helfen weder schärfere Gesetze noch eine sensiblere Kennzeichnung von Videospielen durch die USK.
h. Die Aussage, dass Steinhäuser Lehrer und Schüler wie im Computerspiel getötet habe, wirkt sich auch wieder negativ auf das Verständnis von Shootern aus. Ich kenne kein Spiel, in dem das der Spielinhalt ist und unter den angeführten Spielen von Steinhäuser befindet sich kein solches Spiel. Trotzdem wird bei den Zuschauern der Anschein erweckt, dass es solche Spiele geben würde. Man vermittelt also falsche Vorstellungen davon, was ein normaler Shooter für einen Inhalt hat und warum man das Ding spielt. Ich selbst würde sicherlich nicht so ein Spiel spielen. Nicht nur, weil es pietätlos wäre, sondern auch, weil es keine taktische Herausforderung ist unbewaffnete Opfer zu jagen und hinzurichten. Mit solchen und ähnlichen Aussagen wird aber grade der Anschein erweckt, dass genau dies der Inhalt von solchen Spielen sei.
i. Auf den nächsten Punkt bin ich schon mehrmals eingegangen. Es wird konsequent ein falsches Bild über die Qualität der Arbeitsweise der USK präsentiert. Durch die Aussage, dass nur 23 Videospiele von 3500 keine Altersfreigabe erhalten hätten, wird der Anschein von absoluter Inkompetenz und einem unreflektierten “Abnicken”“ von Spielen erweckt. Das es sich bei den 3500 Videospielen keineswegs nur um Gewaltspiele handelt, sondern es in absoluter Mehrheit gewaltlose Spiele wie “Mein Ponyhof” sind, wird verschwiegen. Auch wird der Anschein erweckt, dass nur 23 Spiele in Deutschland nur für Erwachsene erhältlich sind. Dass Hunderte Computerspiele indiziert und zu diesem zeitpunkt wohl ein halbes Dutzend verboten sind wird einfach unter den Tisch fallen gelassen. Bei einer solchen Darstellung des Jugendschutzes ist eine normale Diskussion über das Thema nicht ansatzweise möglich.
j. Bezüglich der Szene von “Hitman” toppt die Stellungnahme von Frontal21 noch das Video. Dort wird nicht nur behauptet, dass sinnloses Morden (aller Personen) einziger Spielinhalt sei, sondern gesagt, dass es sich bei den zu ermordenden Personen auch noch um Behinderte handeln würde. Das ist so was von falsch, dass sich mir die Nackenhaare aufstellen. In dem Level muss man selbst aus einem Labor fliehen. Neben einem selbst befinden sich auch andere, verwirrte, Klone in der Einrichtung. Die Klone machen nichts außer verwirrt vor der Spezialeinheit der Polizei zu flüchten, die sie alle exekutiert. Der Spieler selbst muss hier niemanden, auch nicht die behindert anmutenden Klone, töten. Er muss genau genommen gar keinen töten, er muss es nur schaffen aus der Anlage zu fliehen, ohne dass ihn die Polizei erschießt. Bezüglich der Wirkung solcher falschen Darstellungen von Spielinhalten verweise ich auf meine obigen Ausführungen.
k. Auch die Aussage, dass diese nicht existenten, fiktiven Gewaltspiele überall in den Charts ganz oben wären verzerrt die Realität und damit das Ausmaß des Problems. Von nur zwei Ego-Shootern in den Top10 2004 kann man nicht auf eine solche Aussage kommen. Bei denen handelt es sich auch um eher harmlosere Vertreter des Genres. Es wird einfach der Teufel an die Wand gemalt und die tatsächliche Situation vollkommen außer acht gelassen.
l. Ich weiß nicht, wie es sich für andere mit der Aussage verhält, dass man in Online-Shootern als Nazi spielen würde. Ich, und viele andere Spieler auch, wissen, dass man in menschenleeren Maps einfach gegen Alliierte antritt und quasi eine Art Räuber und Gendarm 2.0 spielt. Wenn man die eine Partei nicht nur als Nazi bezeichnet, sondern darüber hinaus auch noch sagt, dass dort jemand “Nazi spielen” würde, weckt das bei dem Zuschauer ganz andere Assoziationen. Auch ich bringe mit dem Begriff “Nazi” nicht sportliche Onlinekämpfe zwischen zwei Teams sondern mit einer menschenverachtenden Ideologie, KZs, Vergasung und was weiß ich in Verbindung. Und dieses Bild von einer Online-Party “Day od Defeat” ist nun überhaupt nicht zutreffend. Spielszenarien vor historischen oder sogar aktuellen Hintergründen sind allein schon problematisch genug, da muss man jetzt nicht auch noch die Nazi-Keule auspacken. Dass einige Spieler die Seite der Deutschen auch als “Nazi” bezeichnen mag stimmen, aber dadurch, dass explizit Neonazis als Spieler genannt werden, werden von Panorama, entschuldigen sie das Wortspiel, die nicht-militärischen Aspekte des Dritten Reiches in’s Spiel gebracht.
m. Ähnlich geht es mir bei der Vergewaltigung. Gewalt ist in vielen Formen in unserer Gesellschaft als ein Mittel zur Unterhaltung akzeptiert. So gibt es Boxen sowie Filme und Bücher, die Gewaltdarstellungen enthalten. Aber den Aufschrei möchte ich sehen, wenn eine Kindergärtnerin ihre Schützlinge dazu ermuntern würde mal nicht “Cowboy und Indianer” sondern “Vergewaltigung” zu spielen. Ich weiß nicht warum, aber in unserer Gesellschaft ist es völlig ok, wenn sich Kinder spielerisch erschießen. Warum das Tabu bei virtueller spielerischer Gewalt wieder da ist, ist eine andere Sache. Der Punkt ist, “Killerspiel-Spielern” nun auch noch vorzuwerfen, dass sie online das Vergewaltigen von Frauen praktizieren würden, ist für mich eine Unverschämtheit sondergleichen. Mit einer Bevölkerung, die ein solches Bild von seinem Hobby hat, kann man gar nicht erst versuchen zu diskutieren.
