Plasberg: Mit Fifa die Hemmschwelle zu Töten abtrainiert

17. Februar 2013 um 18:12 von Rey Alp | 45 Kommentare » RSS feed

Die Öffentlich-Rechtlichen haben bei der Berichterstattung über „Killerspiele“ eine gewisse Tradition Aussagen aus dem Zusammenhang zu reißen. So wurde beispielsweise von „Panorama“ das Lachen eines Spielers, das einem über Teamspeak erzählten Witz galt, hinter einen von der Redaktion bei Youtube heruntergeladenen Videoschnipsel geschnitten, in dem der Protagonist virtuell eine Leiche beschießt. „Hart aber Fair“ hat nun bewiesen, dass man ebenfalls über fähige Leute verfügt.

In der Sendung wird zunächst darauf eingegangen, dass durch die Nutzung des Daumens – wie z.B. beim SMS-Tippen oder die Benutzung von Controllern beim Daddeln – die entsprechende Hirnregion wachse. Nachdem Ranga Yogeshwar hier relativierte intervenierte Frank Plasberg und wollte an einem konkreten Beispiel belegen, dass gewisse Spiele nicht nur physisch, sondern auch psychisch auf die jeweiligen Nutzer abfärben würden:

Sie sagen, “Wenn es denn nur der Daumen wäre”. Da möchte ich Ihnen etwas zu zeigen. Da werden sie jetzt gleich sagen, das ist platt. Ich zeig’s trotzdem. Die Frage ist doch, verändert sich durch’s Daddeln nur die Virtuosität des Daumens, verändert sich der Hirnbereich, der den Daumen steuert, oder verändert sich durch das Daddeln auch das Wesen eines Menschens? Die Frage stellt sich nach einem prominenten Beispiel.”

Gezeigt wurden dann Ausschnitte aus einem Interview mit Prinz Harry, der in Afghanistan als Bordschütze eines Kampfhubschraubers kämpft. Die von “Hart aber Fair” wiedergegebenen Aussagen:

Ich bin einer von diesen Leuten, die gerne PlayStation und Xbox spielen. Und ich liebe den Gedanken, dass ich mit meinen schnellen Daumen ziemlich nützlich bin. Da können Sie die Jungs fragen.“

In der nachfolgenden Diskussion wurde von den Gästen vorausgesetzt, dass mit den hierfür verantwortlichen Spielen „Shooter“ gemeint seien, wobei Plasberg auch nicht eingriff. So sagte Josef Kraus:

Man muss übrigens eines sehen: Viele dieser Shooter-Spiele sind ja für militärische Übungszwecke entwickelt worden [...]. [...] Alle Amoktäter, die wir hatten in Deutschland und Amerika waren exzessive Shooter-Spieler [...].

Als ich diesen Ausschnitt zuerst gesehen habe, hielt ich es für aussichtlos und ohnehin wenig gewinnbringend die Richtigkeit dieser Darstellung zu hinterfragen. Auch wenn ich von Prince Harry bloß weiß, dass er „Fifa“ spielt (“Prince Harry enjoyed some FIFA during his Afghanistan tour“, usatoday), wollte ich nicht ausschließen, dass er auch Shooter nutzt. Auch hätte es sicherlich etwas Aufwand bedurft nachzuweisen, dass Prinz Harry hier wirklich über seine Leidenschaft zu Fifa und nicht doch über ein anderes Spiel spricht.

In den letzten Tagen habe ich dann zufälligerweise das ungeschnittene Originalvideo gesehen, das dann noch einige Umstände offenbart:

- Zum einen braucht es gar keinen Aufwand um nachzuweisen, dass Prinz Harry hier mit „Fifa“ über ein Fußballspiel spricht. Denn er stellt es im Interview selbst dar: Direkt am Anfang (00:12) spricht er davon, dass er im Zelt mit Kameraden Fifa spielt und auch unmittelbar nach dem zitierten Ausschnitt verweist er auf Fifa:

I thrash them at Fifa the whole time.“

In Klartext: „Hart aber fair“ hat hier eine Aussage von Harry, in dem dieser davon spricht, dass er durch Fifa-Spielen zu flinken Fingern gekommen ist, als Beweis dafür angeführt, dass das Daddeln auch das Wesen verändere bzw. die Spieler zu Soldaten mache.

- Zum anderen hat sich “Hart aber Fair” nicht damit begnügt dem „Zitat“ in Hinblick auf den Verwendungszweck als Beleg einer Verrohung durch das bloße Weglassen des Fifa-Verweises einen anderen Sinn zu geben, es wurde auch noch der „Restsatz“ neu komponiert: Im Original sagt Harry: „You can ask the guys: I thrash them at Fifa the whole time.”. So dürfte klar sein, dass sich der Hinweis auf die Kameraden auf sein Fifa-Spiel bezieht. Dass das so zu verstehen ist belegen auch Zitate dieser Äußerungen in der Presse (usatoday, dailymail und viele mehr… ):

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Von „Hart aber Fair“ wird dies aber anders dargestellt. Hier schneidet man die Aussage nach dem Verweis auf das Zeugnis der Kameraden ab und endet mit einem Punkt statt einem Doppelpunkt. Nun hat macht es den Eindruck, als ob Prinz Harry die Kameraden nicht als Beleg dafür anführt, dass er gut bei Fifa ist, sondern dass diese bestätigen sollten, dass er im Kampfeinsatz recht brauchbar wäre.

Die Aussagen im Überblick:

hab_ph_01

Die von uns schon früher monierten Behauptungen, dass alle Amokläufer exzessiv Videospiele gespielt hätten und dass viele kommerzielle Videospiele ursprünglich für militärische Übungszwecke verwendet worden wären, wurden im “Faktencheck” übrigens nicht korrigiert.

Zur Erinnerung: Der WDR ist nach dem WDR-Gesetz zu einer wahrheitsgemäßen Berichterstattung angehalten. § 5 des WDR-Gesetzes beinhaltet bei den Programmgrundsätzen auch eine Wahrheitspflicht:

Der WDR soll [...] der Wahrheit verpflichtet sein.” (WDR-Gesetz)

- Zum Video (Original)
- Zum Video (Geschnitten)

  1. Murray XVII

    “Der WDR soll [...] der Wahrheit verpflichtet sein.”
    -
    Sie haben doch die Wahrheit gezeigt…nicht die ganze aber es war die Wahrheit…
    -
    Man kann sich solche Gesetze nunmal so zurechtbiegen wie man will. Man muss nur wissen wieweit man sie biegen kann ohne sie zu brechen. Schade ist nur dass man diese Schweinerei nicht ganz so einfach öffentlich machen kann.

  2. The_Real_Black

    Wieso kann keiner in der Show direkt Protest einlegen oder werden nur Leute eingeladen welche nicht auf den Putz hauen werden? Ich wünsche mir einmal ein auf den Tisch hauen und die Lügen enttarnen…
    -
    Es sollte ein “stigma-videospiele” (keiner von uns gemeint) Experte in diese Shows welcher die ganzen Vorurteile kennt und auch die Fakten runter sagen kann.
    -
    Happy Coding.

  3. Killerspiele: Was die ARD kann, kann Plasberg schon lange » myBasti

    [...] zur Sendungskritik von “Stigma Videospiele” [...]

  4. Nachtwächter-Blah » Wer ist Schuld an Krieg, Mord und Amoklauf? Das …

    [...] Und wenn man ein Zitat eines prominenten Soldaten braucht, und es gibt keines, dann reißt Mitmensch gebührenfinanzierter TV-Journalist eben eines aus dem Zusammenhang – ha…. Schließlich müssen ja die Emotionen richtig gekocht werden und die richtigen Angstknöpfchen bei [...]

  5. Ersatzlinks — KALIBAN (You are likely to be eaten by a grue)

    [...] Mit Fifa 2013 das Töten trainieren? [...]

  6. Soldat-Hans

    Ich wusste es schon immer!!!!! FUßBALL IST EIN KILLERSPIEL!!! VERBIETET DIESEN DRECK! :-D

  7. Freeflight

    Und täglich grüßt das Murmeltier…
    Richtig traurig wird das ganze wenn man sich noch die Kommentare zu der Sendung durchliest.
    -
    Da gibt es “Serverbestreuer” die der Meinung sind “Internet und Smartphones sind eine Modeerscheinung”. Auch sehr unterhaltsam sind die die Leute die dort gegen Anonymität im Internet hetzen, dabei aber selbst Pseudonyme als Namen benutzen. Der richtige Brüller sind dann Leute die ja fordern das ein Herr Pfeiffer und seine “wissenschaftlichen Studien” mehr Zeit in der Sendung verdient hätten. Immerhin hat der ja den unwiderlegbaren, wissenschaftlichen Beweis erbracht das dieser ganze digitale Krempel böses Tuefelswerk ist…
    -
    Bei so einem Blödsinn fragt man sich doch wirklich ob “Aufklärungsarbeit” noch angebracht ist.. vielleicht sollte man diese ganzen rückständigen Dinosaurier einfach in ihrem eigenen Dünnpfiff schmoren lassen :/

  8. skully

    Verklagen, denn Aufregen bringt nichs, und Beschwerden an den Presserat richten schon.

  9. Rey Alp

    @skully
    Der Presserat ist hier nicht zuständig. Das müsste der WDR-Rundfunkrat sein:
    - http://www.wdr.de/unternehmen/gremien/rundfunkrat/kontakt.jsp
    - http://www.wdr.de/unternehmen/gremien/rundfunkrat/aufgaben/aufgaben.jsp
    .
    Die Mitglieder:
    - http://www.wdr.de/unternehmen/gremien/rundfunkrat/mitglieder_11_rr.jsp

  10. Dödel

    Das schlimme ist, meine IT-Firma suppt den Plasberg…am liebsten würd ich einfach
    alles löschen – habe direkten Zugriff auf Server und alles… Meine Fresse, wenn ich sowas lese…

  11. Dödel

    bitte verzeiht mir, wenn ich es nicht tue.
    Bin doch auch nur ein Opfer des Kapitalsmus…

  12. anonym

    Das hat nichts mehr mit guter Berichterstattung zu tun – natürlich denkt sich der WDR nichts aus und erzählt somit “die Wahrheit” – allerdings geht es beim Journalismus auch darum, die Wahrheit nicht zu verfälschen. Wirklich gute journalistische Arbeit macht aus, dass man nichts auslässt und alles so darstellt, wie es wirklich ist, und das ist in diesem Fall eindeutig nicht gegeben.
    Murray XVII: Klar, die Gesetze kann man irgendwie biegen, wie man sie gerne hätte;-) Keine Ahnung, ob man bei so einem Fall gerichtlich etwas bewirken kann oder nicht. Schade finde ich nur, dass dieser Vorfall einem zeigt, dass selbst der ach-so-verlässliche öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht neutral ist… und das, was da fabriziert wird, hat für mich auch nichts mehr mit qualitativ hochwertigem Journalismus zu tun :-(

  13. Wesensveränderung durch Computerspiel “Fifa” « Alarmknopf

    [...] Frank Plasberg in der gelenkten Gesprächszurschaustellung “Hart aber fair”, zitiert nac… [...]

  14. Pyri

    @skully
    Die Industrie hat auf derlei Darstellungen ihrerselbst bekanntlich nie mit Klagen reagiert. Die versteckt sich höchstens wenn, wie jüngst “Frontal 21″, wenn bei ihnen angeklopft wird.
    Während Vereine auf RezipientInnen-Seite, wie etwa der VDVC, einfach nicht über die nötigen Mittel verfügen (werden): zumal es Präzedenzfälle wie Reden über “Soldaten” als “Mörder” gibt. Lediglich für einzelne Berufsgruppen wie ÄrztInnen scheint es so Ausnahmen zu geben.
    -
    Es müsste aus meiner Sicht halt ein Bewusstsein geschaffen werden, dass gesellschaftliche Gruppen nicht bloß über Gender, Hautfarben, Sexualität oder Religion schützt, beziehungsweise bei (sonstiger) geografischer Herkunft ethnisch und bei Krankheiten wie Behinderungen körperlich, sondern auch vor Diskriminierung über Geschmack und Empfinden. Dass ein Ethos geschaffen wird, der eigene Verhaltensnormen und idealisierte Moral bei unterschiedlichen Lebensweisen und Wunschvorstellungen eben nicht zu einer Allgemeingültigkeit (auch) in Fiktionen bringen will: mit der Gewissensfreihet gäbe es da zwar auch auf Menschenrechtsebene bereits etwas, doch müsste diese dann halt noch mit fiktionaler Ausdrucksfreiheit auch zusammengebracht werden (können). Bislang betrifft “Gewissen” nämlich ausschließlich eine rein persönliche Ebene in Fragen von “Realität”.
    Ob der Staat oder etwa eine Rechtssoziologie dafür der richtige Weg sind bezweifle ich allerdings, weil darüber erst wieder nur irgendwelche Normen von “richtig” oder “falsch” festgelegt werden.

  15. Crusader

    Oh Herr nun lasse doch endlich über den Fernsehstudios Hirn vom Himmel regnen (und bei Zeitungen, Forschungseinrichtungen, uvm.)…
    .
    Wie ich mir wünsche, dass man Plasberg und Konsorten mal ein Gewehr in die Hand und einen Militärausbilder an die Seite gibt. Irgendwie muss man doch mal in deren Schädel reinkriegen, dass es eklatante Unterschiede zwischen Spielen und der Realität gibt. Eine gute Hand-Augen-Koordination macht noch lange keinen guten Kämpfer.

  16. Pandora

    Der Post hier ist inzwischen sogar schon auf Gamestar verlinkt:

    http://www.gamestar.de/news/branche/3009528/gewaltspiele_diskussion.html

  17. Too much information - Papierkorb - Lesezeichen vom 18. Februar 2013

    [...] Stigma Videospiele » Plasberg: Mit Fifa die Hemmschwelle zu Töten abtrainiert [...]

  18. Alreech

    Der öffentlich rechtliche Rundfunk hat massiv Probleme mit dem neuen Rundfunkbeitrag. Gut möglich das der aktuelle Rundfunkstaatsvertrag vor Gericht zu Fall gebracht wird, oder in allen 16 Landesparlamenten neu verhandelt werden soll.
    Die Städte und Gemeinden drängen z.B. auf eine Nachverhandlung die sie finanziell besser stellen soll.
    Der VDVC könnte versuchen im Zuge dieser sich abzeichnenden Änderungen selber Vertreter in den Rundfunkrat zu entsenden.
    Den meisten Menschen sind die Rundfunkräte ziemlich egal, ein entschlossene Minderheit hat deswegen IMHO gute Chancen sich bei entsprechenden öffentlichen Druck im Rundfunkrat zu etablieren.

  19. Roman

    Laut Wikipedia sind 97% aller Taeter maennliche Teenager. Warum verbieten wir die nicht?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_an_einer_Schule#T.C3.A4ter

  20. Petra

    Ich bin der Meinung, dass grundsätzlich falsch an die Sache ran gegangen wird.
    Es wird immer von Töten gesprochen. Jeder normale Mensch weiß, dass er spielt und keinen tötet, somit muss er auch keine Hemmung überwinden. Er ist sich klar darüber, dass sein Verhalten im Spiel keine Konsequenzen auf unsere reale Welt hat.
    Ein kleines Beispiel. Ich hab Quake 4 original gespielt. Da ist einiges los und als Spielerin musste ich so richtig draufhauen.
    Zu der Zeit, kam ein wirklich schlimmer Bericht über Tierquälerei im Fernsehen. Tage habe ich gebraucht, um die extremen Bilder der armen Tiere wieder aus dem Kopf zu bekommen.

  21. Hart aber unfair | Hokeys Blog

    [...] gesehen, wobei mir nicht klar war, dass die Qualitätsredaktion von „Hart aber fair“ das Zitat völlig aus dem Zusammenhang gerissen hat. Aus einer lockeren Aussage über das Fußballspiel FIFA wurde so ein verstörendes Zeugnis der [...]

  22. Diskussion um "Killerspiele" - Ballern macht nicht brutal - Seite 15

    [...] [...]

  23. skully

    @Pyri Zunächst würde ich meinen das die kontroverse Herangehensweise die die TV-Medien gegenüber Video- Computerspiele für deren monitären und propagandistischen Interessen unterliegen. Da jeder der mit seiner Konsole oder PC spielt weniger Fernsehen schaut und das Internet als primäre Nachrichtenquelle nutzt versucht eben genau das Fernsehen eine besonders harte Schiene gegen diese neuen Medien zu fahren. Daher wäre es sehr wohl im Interesse der Publisher und Spieleentwickler dieser Propaganda über den Rechtsweg etwas entgegen zu setzen, einmal durch einstweilige Verfügungen, möglichst lange Rechtsstreitigkeiten die auf die Produktionsbudgets bestimmter Magazine Einfluss nehmen. Wenn es sein muss Geld dafür über die User einzunehmen, kann Activision gerne einen DLC für Black Ops 2 herausbringen bei den es nur darum geht Fernsehsender in die Luft zu jagen, den kaufe ich dann gerne drei bis viermal. Wenn diese Rechtsmittel dazu führen das dieser organisierter Rufmord seits des Fernsehen aufhört und dadurch Computer und Videospielhersteller dadurch ein unattraktives Ziel werden und man lieber zum hunderttausendstenmal über die Killerbienen, weisse Haie, UFOs und sonstigen Schund berichtet.

  24. Pyri

    @Alreech
    Ein sehr guter Vorschlag, aber dafür müssten Gamer als gesellschaftlich berechtigte Gruppe halt auch erst Anerkennung finden. Anders als etwa die Kirchen trifft das auf eine Vereinigung wie den VDVC vorerst nunmal keineswegs zu. Und solange Videospielen im Rundfunk vor allem mit Sucht und/oder Gewalt in Zusammenhang gebracht wird sehe ich da jedenfalls leider keine Chance.
    Gamer werden ja nicht einmal in solche Sendungen eingeladen, wenn sie nicht etwa Pro-Gamer sind und dabei zum Beispiel auch anderen – akzeptierten – Leistungsprinzipien von Sport etc. gehorchen. Auch wenn ihr Sport ebenfalls längst nicht anerkannt ist.
    Nur die Piraten haben, teilweise belächelt und ihrerseits dämonisiert, durch ihre politisch relativen Erfolg eine gewisse Stellung bereits erlangt, dass sie da zumindest dazugehören könnten.

  25. notensafe

    Hab gerade fast die ganze Sendung gesehen. Bemerkenswert geil fand ich die Logik zu den Killerspielen. Erst heißt es Spiele, iPhones und Tablets sind die 2-Diemnsionale Welt, eine Pseudorealität, die den Kindern den Zugang zu Realität versperren und dann glauben sie ohne Zweifel daran, Shooterspiele eigneten sich als Training für die Army um “bestimmte Wahrnehmungen und Reaktionen zu schulen.” Wenn man den Spielen das zugesteht, wieso sind sie dann so realitätsfern? Beides passt nicht zusammen!

  26. Petra

    Durch Computerspielen wird man neugierig und bildet sich weiter. Ich kämpfe hier gerade mit einer virtuellen Maschine. Linux wird installiert……..

  27. J. S.

    Wenn das so einfach ist, warum werden dann nicht alle Soldaten nur noch virtuell trainiert?

  28. Rey Alp

    @Alreech & Pyri
    Ich glaube nicht, dass in absehbarer Zeit in Rundfunkräten Männer, Agnostiker, Atheisten, etc. angemessen vertreten werden sein. Eine spezielle Gruppe wie die der Gamer fände ich da noch fernliegender. Im Übrigen halte ich es nicht für eine gute Idee den Einfluss von Lobbyisten besetzten Gremium dadurch beikommen zu wollen, dass man weitere Lobbyisten entsendet. Im Übrigen, sofern ich mich nicht täusche, sitzt im WDR-Rundfunkrat mit Thomas Ellerbeck einer der Bitkom.
    Eine Beschwerde könnte man sicherlich formulieren – nach unseren bisherigen Erfahrungen wird dabei aber nichts rauskommen, weil die Verbreitung von Unwahrheiten negehm ist, solange sie ins Konzept passt, und Hetze gegen Videospiele tut das immer. Ansonsten kann man bei VDVC ja mal die Stimmung ausloten, ob man wieder einen solch symbolischen Akt machen möchte, der nur Arbeit und Zeit kostet und praktisch nichts bringt.

  29. Hermione

    Da ist es ja schon sehr passend, dass ich eingangs statt “Panorama” “Paranoia” gelesen habe. Wäre auch ein schöner Name für ein öffentlich-rechtliches Format. :D

  30. Gerrit Neundorf

    Was die Art und Weise der Täuschung durch Redaktion angeht gehe ich voll mit, was die hier erhobenen Vorwürfe angeht!

    ABER:

    Wenn man sich das verlinkte Originalvideo anschaut muss doch auch auffallen, dass die Sätze vor den oben übersetzen Auszügen die eigentlich wichtigen sind… Harry sagt dort sinngemäß: “Er sitzt an den Waffensystemen und als die Entscheidung kam auf den Front- oder Rücksitzen des Hubschraubers zu wechseln, war er froh darüber bzw. es macht ihm Spaß an den Waffensystemen zu sitzen, weil er einer dieser Leute ist, die gerne Playstation und Xbox zocken…” usw.

    Jetzt mal ehrlich, solch einen Bezug zwischen Game und Realität herzustellen (egal ob nun FIFA oder COD) ist dermaßen bescheuert, dass es mir leicht fällt jedem halbwegs intelligenten Redakteur zuzutrauen die Sache für sich auszuschlachten…

  31. Rey Alp

    @Gerrit Neundorf
    Natürlich kann man bei der Aussage nur den Kopf schütteln – Lauer hat ja auch einige farbenfrohe Erklärungsversuche angeboten. Auch möchte ich nicht bezweifeln, dass Harry hier eine Verbindung zwischen seinem Können am Gamingcontroller und seinen Fähigkeiten als Bordschütze herstellt.
    Mir kam es allein darauf an, dass Plasberg für den Punkt, auf den er mit diesem Clip hinauswollte – Änderung des Wesens eines Menschens, eine Aussage wählte, die sich ungeschnitten auf Fifa bezog und bei der der Restsatz auch noch verdreht wurde.

  32. Pyri

    @Rey Alp
    Wird im Fernsehen über zum Beispiel Religionsfreiheit gesprochen, wird in unserer säkularen Welt auch ein Atheist oder zumindest ein Agnostiker eingeladen werden. Der Grund weshalb Kirchen in solchen Gremien vertreten sind ist auch weit eher in dieser Säkularisierung zu suchen – dass Kirchen halt, sozusagen trotz allem, ein berechtigtes Interesse haben sich zu behaupten.
    Und beim Gaming würde ich das auch so sehen, zumal es aus meiner Sicht eigentlich nicht ums Gaming geht, sondern um divergierenden Geschmack und Empfinden, sowie ein anderes Freizeitverhalten. Es geht um Interessen von Minderheiten und/oder Diskriminierungen (wie bei der Gehaltsschere von Frauen, die keine Minderheiten sind). Während die Branche nachweislich gerade nicht darüber sprechen möchte, sondern für die Videospiele längst Mainstream geworden wäre – weil sie über die häufig problematisierten Titel so gar nicht reden will, sondern sich womöglich viel lieber noch dagegen (mit) abgrenzen tut.
    Denn gerade beim Gaming ist es ja so, wie auch das Beispiel Frank Plasbergs vor Augen führt, dass vor allem eines wird: eher beiläufig darüber gesprochen. Weil die negativen Gefühle dagegen in der Gesellschaft bereits tief verankert sind.
    Und die IT-Industrie (wie Bitkom) vermeidet die Themen Sucht und Gewalt dahingehend auch eher, indem versucht wird Gaming als etwas “Normales” darzustellen. Andere Videospiele forciert werden sollen, die entweder weniger zeitaufwändig und/oder “sozialer” sind oder weniger mit Gewalt zu tun haben. Im Onlinewelten-Beitrag zu diesem Post (IDG) hieß es indirekt ja auch, dass nur das Fehlen von FIFA bei Plasberg problematisch gewesen wäre. Hätte Herr Windsor stattdessen “Call of Duty” gesagt wäre die Welt weiterhin in Ordnung gewesen – dann gäbe es wohl auch diesen Post hier nicht.
    -
    Ich hab als Gamer mit einem IT-Landsmann von mir wie Peter Glaser ideologisch auch nichts gemein. Der Chaos Computer Club hat vor über fünf Jahren einen Rainer Fromm sogar noch extra zu sich eingeladen, weil sie dem inkriminierten Gaming erklärter Weise auch keine Plattform bieten wollten, sondern halt zumindest lieber dem Mann von “Frontal 21″. Nein: das öffentliche Bild des Gamers ist abgesehen von manchen E-Sport-Einschüben weiterhin das des Kellerkindes, Süchtigen und/oder potentiell aggressiven Gewalttäters, sexistischer Weise jedenfalls das eines jungen Mannes der die aus öffentlicher Sicht falschen Dinge lernt. Sachen die er für das angeblich richtige Leben nicht brauchen kann
    Und wie zu sehen ist kann das auch beim Video-Fußballspielen passieren

  33. Jack Nicholson

    Die Wahrheit! Sie können die Wahrheit doch gar nicht verkraften! (SCNR)

  34. Pirat72

    Wichtige Info:
    http://www.spieleradar.de/news/spieleradar/0_16351_30726/gehirne-von-videospielern-laut-studie-besser-entwickelt.html

  35. Hundiger

    Hmm…da war doch mal eine andere Sendung, die auf die gleiche Weise bestimmte Reaktionen hervorgerufen hat. Zitate aus dem Zusammenhang reißen, Video- und Tonspur manipulieren, gepflegtes Weglassen von erklärenden Zusätzen, etc.

    Die hieß seinerzeit nicht “Hart aber fair”, sondern “Der Schwarze Kanal”. Der Plasberg hieß damals Karl Eduard von Schnitzler. Das Land war im Prizip das gleiche. Das Methodenspektrum der DDR wurde ja reichhaltig in die wiedervereinigte Politik integriert. Da muss man nur mal IM Erika ansehen, die es von der Propaganda-Stelle der FDJ auf den Kanzlersessel geschafft hat.

    Man muss sich also gar nicht wundern, wenn solche Dinge im Fernsehen passieren. Man hat eben dazugelernt. Wäre ja noch schöner, wenn man sich die erwünschte Wahrheit von sowas doofem wie der Realität kaputtmachen läßt…

    Hund, hundiger….

  36. Neues aus dem Abfall, 20. Februar 2013 | Hendryk Schäfer

    [...] Stigma Video­spiele » Blog Archive » Plas­berg: Mit Fifa die Hemm­schwelle zu Töten abtrai­ni… – Neues aus der Abtei­lung „Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt.“ Aber so ein ehren­wer­tes Talk­for­mat bemüht sich ja. [...]

  37. Aginor

    Uuuund Stigma-Videospiele ist wieder mal auf BildBlog verlinkt, gut gemacht, Rey!
    -
    Gruß
    Aginor

  38. Alreech

    @Rey:
    in einer idealen Welt würden dir Rundfunkräte ähnlich wie bei anderen selbstverwalteten Organisationen (z.B. die Sozialkassen in Deutschland) gewählt.
    Ich gehe auch nicht davon aus das die Besetzung der Rundfunkräte mit zünftigen Vertretern ausgewählter Stände in naher Zukunft abgeschafft wird, also bleibt bloß der Lobbyismus.
    -
    Eine Beschwerde durch den VDVC ist sicherlich nicht verkehrt- ebenso wie Beschwerden einzelner Zuschauer hilfreich sind.
    Wie aus den Tätigkeitsberichten des WDR Rundfunkrates hervorgeht scheinen Beschwerden durchaus Eindruck zu machen, wobei manche der Beschwerdeführer wohl auch den Eindruck hinterlassen haben nicht alle Tassen im Schrank zu haben – den Eindruck sollte man nach Möglichkeit vermeiden, wenn man sich entschließt eine Beschwerde zu verfassen. ;-)

  39. Wochenrückblick KW8 | Medienpädagogik

    [...] http://stigma-videospiele.de/wordpress/2013/02/17/plasberg-mit-fifa-die-hemmschwelle-zu-toten-abtrai… [...]

  40. Tobias

    Ähnliche (bewusste) Fehlzititierung auch bei Spiegel Online. Ab 1:05.
    http://www.spiegel.de/video/prinz-harry-hat-in-afghanistan-taliban-getoetet-reaktionen-auf-intervie-video-1248846.html#ref=vee

  41. pfommi

    Der eigentliche Skandal ist doch, dass niemand thematisiert, dass das ständige Vor-der-Kamera-Herumkaspern eines Gesprächsrundengastgebers dessen fürs Sprachliche verantwortliche Hirnregionen so anschwellen läßt, dass er ohne Unterlass Worte wie “daddeln” benutzen muss.

  42. Rey Alp

    @Tobias
    Anders als bei Hart aber fair wird bei SPON die Aussage nicht dafür angeführt, dass das Spiel sein Wesen verändere. Es wird nur schlicht nicht erwähnt, dass die Spiele, bei denen er meint sein Geschick erworben zu haben, kein Shooter sondern Fifa ist. Wobei – ruft er da später “goal”?

  43. Rey Alp

    Nachtrag:
    In diesem Artikel sehe ich es kritischer:
    - http://www.spiegel.de/panorama/leute/prinz-harry-hat-in-afghanistan-taliban-getoetet-reaktionen-auf-einsatz-a-879028.html
    Er wird gesagt, Harry sei nach seiner Aussage “wegen seiner Leidenschaft für Computerspiele ein besonders guter Schütze gewesen”, was dann kritisiert wird, denn “es sei “problematisch”, den Krieg in Afghanistan in irgendeiner Form mit Computerspielen zu vergleichen”. Und dass er Fifa mit Afghanistan verglichen haben soll, dürfte dann doch etwas fernliegend sein. Meint ihr, dass das eine neue News wert ist? Allein vielleicht nicht – man könnte noch andere (deutsche) Presseberichte nach ähnlichen Äußerungen durchforsten, wozu ich heute aber keine Zeit habe.

  44. Protokoll vom 23. Februar 2013 « trackback.fritz.de

    [...] Hart. Aber Fair? [...]

  45. Murray XVII

    @anonym: “hochwertiger Journalismus” in Reinform ist das. Journalisten berichten was die Leute hören wollen und was sich verkauft…wenn du die Wahrheit gören willst musst du nen Reporter fragen und die gibts bei den öffentlichrechtlichen Deppen nicht und wenn doch verstecken die sich^^