Zensur-Jahresüberblick 2012

3. Januar 2013 um 10:58 von Rey Alp | 7 Kommentare » RSS feed

Die folgende Statistik soll einen möglichst unverfälschten Überblick darüber bieten, welcher Anteil von Videospielen, die sich an Erwachsene richten, aufgrund von enthaltenen Gewaltdarstellungen nicht oder nur unter Auflagen verkauft werden dürfen. Dieses Ziel machte es erforderlich, die gesammelten Daten mit einem gewissen Ermessensspielraum zu analysieren. Auswahl und Aufbereitung der Daten erfolgte anhand einer Vielzahl von Entscheidungen, die an dieser Stelle nicht alle erläutert werden können. Zur groben Orientierung seien drei genannt:

Zum Ersten finden sich beispielsweise zu manchen Videospielen dutzende Indizierungseinträge, weil nicht nur die US Version des betreffenden Titels, sondern auch die UK-, EU- und AU- Version indiziert wurde. Und dass dann nicht nur für die PC, sondern jeweils auch für die Playstation, Xbox etc. Dadurch kann es dazu kommen, dass auch mal 12 Indizierungen eines Jahres allein auf ein Spiel zurückgehen. Wir meinen, dass es für unsere Zwecke präziser ist hier nur eine Indizierung zu zählen.

Zum Zweiten beschränken wir uns auf Behandlung der enthaltenen Gewaltdarstellungen. Das heißt, dass beispielsweise viele „Call of Duty“-Teile als „unzensiert“ erfasst sind, obwohl verfassungsfeindliche Symbole entfernt und Texte angepasst wurden.

Zum Dritten werden Videospiele von deutschen Behörden im Rahmen der Kennzeichnung oder Indizierung recht selten in dem Jahr geprüft, in dem sie auch erschienen sind. Es kann im Einzelfall drei Jahre und länger dauern, bis ein bayerische Jugendschützer ein Spiel entdeckt und dann bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) die Indizierung anregt. Es wäre also etwas verwirrend beispielsweise 20 Indizierungen im Jahr 2010 zu erwähnen, obwohl drei Viertel der Entscheidungen Spiele betreffen, die 2009 oder früher veröffentlicht worden sind. Wir erfassen daher nicht in welchem Jahr wieviele Indizierungen ausgesprochen wurden, sondern wieviele Spiele eines Jahres indiziert worden sind.

Nun aber endlich zu den Daten, die zwei Überraschungen bereithalten:

1. Der Trend der letzten drei Jahre hat sich fortgesetzt: Immer mehr Videospiele erhalten unzensiert die Kennzeichnung „ab 18“ der OLJB. Als krasses Beispiel: Während bei den 2008 erschienen Spielen nur jedes zweite Erwachsenenspiel ungeschnitten die Kennzeichnung erhielt, waren es 2012 vier von fünf.

2. Es wurde des Weiteren noch kein Spiel beschlagnahmt, das 2012 veröffentlicht wurde. Nach Einschätzung der BPjM könnte dies auch nur noch in einem Fall, dem von „Sleeping Dogs“, erfolgen.

Dies ist hauptsächlich auf zwei Entwicklungen zurückzuführen: Zum Einen auf die nach einem zwischenzeitlichen Anstieg zu verzeichnende Abnahme der Anzahl von indizierten Titeln. Zum Anderen der deutliche Anstieg von Spielen, die ungeschnitten die Kennzeichnung „ab 18“ erhalten. Auch zukünftig kann sich an diesen Ergebnissen realistisch betrachtet nur wenig ändern, da gekennzeichnete Spiele nicht indiziert werden können.

statistik

Woran dieser „Trend“ liegt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Es gibt verschiedene Thesen:

1. Es werden absolut und relativ mehr Spiele mit weniger drastischen Gewaltdarstellungen entwickelt: Auch wenn in manchen Einzelfällen die Nachfolger weniger hart als die Vorgänger ausfallen, erscheint dieser Gedanke subjektiv nicht sehr überzeugend. Auch wenn die Frage, was Gewalt ist und was ihre Intensität ausmacht (und was Videospiele damit zu tun haben), sicher nicht allgemeinverbindlich beantwortet werden kann, erscheint hier keine Trendwende erfolgt zu sein. Auch hier eine der Entscheidungen: „Sniper: Ghost Warrior“, bei dem zwar weltweit dieselbe Version veröffentlicht wurde, aber nur im Ausland die Gewaltdarstellungen per kostenlos beziehbaren DLC verschärft werden können, haben wir als „geschnitten“ bewertet.

2. Gewalt wird weniger streng oder zumindest „anders“ bewertet. Für diese Entwicklung gibt es tatsächlich Anhaltspunkte. Die für eine Indizierung verlangten Voraussetzungen werden seit Jahrzehnten kontinuierlich gesenkt. So ist beispielsweise das ursprünglich indizierte „River Raid“ heute „ab 0“ Jahren, also „ohne Altersbeschränkung“, freigegeben. Speziell in diesem Jahr gab es Schlagzeilen, als Klassiker wie „Quake“ und „Doom“ vom Index gestrichen wurden. Hierbei muss auch nicht davon ausgegangen werden, dass es sich um Einzelfallentscheidungen gehandelt hat, sondern es hat den Anschein, dass dies auf eine generelle Liberalisierung bei der Bewertung zurückzuführen ist. Dass dies kein Automatismus ist zeigt aber „Unreal Tournament“. Die 2000 veröffentlichte „Playstation 2“-Fassung wurde noch im vergangenen Januar indiziert.

3. Videospiele haben sich weiterentwickelt – In älteren Indizierungsentscheidungen wird regelmäßig darauf abgestellt, dass die „Old School“-Shooter allein das reaktionsschnelle und reflexhafte Töten beinhalten, wohingegen es bei neueren Spielen anders liegt, die mit Rollenspiel- und Rätselelemente die Story anders als durch reinen „Ballern“ voranreiben bzw. man auch ohne ein guter Schütze zu sein durch das Spiel kommt. Untermauert wird diese These auch durch die bereits erwähnte späte Indizierung von „Unreal Tournament“, welches schon aufgrund seines Alters eine klassische Spielmechanik aufweist. Auch wenn diese Entwicklung nicht geleugnet werden kann, legt die These vielleicht zu viel Wert auf Ausnahmen. Auch heute noch kommt der Spieler in einem „Battlefield 3“ ohne Schießen nicht weiter und neue Aspekte, wie z.B. Quick-Time-Events, machen ein Spiel auch nicht zwingend weniger gewalthaltig.

Parallel hierzu werden die Folgen bei indizierten bzw. verbotenen Titeln bei Spieler rein praktischer immer schwerwiegender. Während das Gesetz unter Umständen den Kauf von indizierten und selbst von verbotenen Spielen nicht untersagt, verzichten Anbieter von Videospielen zunehmend darauf derartige Spiele oder Zusatzinhalte für Nutzer in Deutschland anzubieten oder freizuschalten, so dass diese auf legalem Wege nicht genutzt werden können.

  1. Benedikt Vogler

    Man sollte beachten das international vermarktete Spiele zunehmen für den deutschen Markt produziert werden. Borderlands 2 entstand international auf “deutschem Niveau”, dass heißt man konnte keine Körperteile mehr abschießen, damit das Spiel ab 18 erscheinen konnte. Diese Veränderung gegenüber dem ersten Teil wurde international sehr negativ aufgenommen, so dass manche Spieler dachten, es handle sich um einen Spielfehler.

    100% uncut, macht sich halt in Deutschland gut. Ich weiß noch, dass es bei Dishonored auch so beworben wurde, da hat man aber keine Vergleichswerte in wie weit das Spiel direkt “harmloser” entwickelt wurde.

  2. El Konsolero

    Sehe ich ebenfalls so, es ist kein Erfolg, dass weniger Spiele indiziert werden im Gegenteil. Nicht die USK wird lasch sondern Unternehmen gehen mehr und mehr dazu über sich freiwillig von vornherein selbstzuzensieren um einen breiteren Markt abgreifen zu können.

  3. AKC Lynch

    El Konsolero hat schon recht, durch die Selbstzensur entgeht man einer indizierung, auch wenn es Marken gibt die sich nicht zensieren (lassen wollen), oder gar nicht erst das Spiel bei der USK zur Prüfung einreichen (Mortal Kombat z.B.)und 100% uncut wird auch als Marketing scheinbar angesehen (Schreibt es drauf, verkauft sich dann besser. Mal schauen wie dieses Jahr wird…. Grüße

  4. Rey Alp

    @Benedikt Vogler
    In welchem Umfang das geschieht vermag ich nicht zu beurteilen. Mir erscheint es subjektiv eher so, dass das deutsche System zunehmend “umgangen” und nicht “übernommen” wird. Also dass nur im Einzelfall am Ende das “Deutsche Gewaltniveau” weltweit goutiert wird, sondern die Gewaltdarstellungen über andere Wege in das Spiel kommen. Das beispielsweise wie bei “Shogun 2″ mit dem “Blood Pack” und dem in Beitrag erwähnten “Sniper: Ghost Warrior 1″ und “Sniper: Ghost Warrior 2″ die Gewalt an der USK vorbei nach dem Kauf außerhalb von Deutschland ergänzt werden kann. Wobei es ja auch “früher” schon Fälle gab, in denen das Hauptspiel freigegeben, aber Addons indiziert waren. So u.a. bei “Doom 3″ mit “Ressurection of Evil”.

  5. Pyri

    Ein Indikator wird heuer “The Last of Us” von Sony werden: vielfach sehe ich immer noch Differenzen zu Körperdarstellungen aus den (späten) 1990ern. Bestes Beispiel für mich “Quake 3 Arena” – “Rage” und “BioShock” sind sich in ihren Verpuffungen da ästhetisch schon sehr ähnlich, “Borderlands 1″ war in dem Punkt wie Q3A, doch dass Körper verschwinden wird heute oft weniger an ästhetischen Entscheidungen als an technischen Unzulänglichkeiten liegen. An das Fehlen von Zielmechaniken als Relevanz in einem deutschen Umgang glaube ich dabei nicht: in “Fallout: New Vegas” können einzelne Körperteile anvisiert werden. In “Dead Space” ist die Mechanik einer Zerteilung von Körpern sogar zentral (gewesen) -
    Die Gewaltdarstellung wird bei AAA-Titeln im Laufe der Zeit insgesamt eher abnehmen. Und das (restliche) Gewaltpotential eher in “Sniper”-Nischen ausgelagert, das heißt nicht mehr Mainstream sein. “Boderlands 2″ wird da bloß ein erster Schritt gewesen sein – es geht dabei auch um die (neuen?) Gamer-Haushalte: wenn die Sprösslinge hereinplatzen und dann auf “pornographische Gewalt” auf den Bildschirmen der Eltern stoßen. “Borderlands” wird schießlich in erster Linie als soziales Erlebnis vermarktet, wenn schon nicht geradewegs als familienfreundlich.
    -
    Steven Spielberg kam im US-Filmbereich schließlich einmal auch auf die glorreiche Idee das PG-13-Rating für die Probleme einzuführen welche er selbst gewissermaßen erst herbeigeführt hatte. Und seitdem wird dort fleißig dahingehend herumgeschnippselt, müssen R-Ratings oft genug schon teuer erkauft werden…
    Gut möglich dass es auch im Games-Bereich bald zu einer solchen Zwischenschritt-Lösung kommen wird, sollte jemand auf den Trichter kommen mit einem “Halo” anders noch viel mehr Geld machen zu können. Denn ein echter Mature-Titel ist zum Beispiel “Halo” mit einiger Begründung kaum, gegenüber anderen Teen-Shootern. Ebenso “Mass Effect” kaum expliziter als “Uncharted” oder auch nur ein “Batman”. Aber das sind alles US-Probleme -

  6. haldolium

    Ich finde die Diskrepanz zwischen dem, was heute erlaubt wird und dem, was immer noch freiwillig zensiert wird, furchtbar.
    Dieser artifizielle und konstruierte, vermeintlich moralische, Unterschied der bei Spielen gemacht wird ist definitiv jenseits gesunden Menschenverstandes.
    Heute wesentlich mehr als früher, denn die visuelle Darstellung ist sehr extrem geworden. Das ein Titel wie Dead Space 2 einfach so verkauft werden darf, Sniper Elite V2 hingegen wieder nicht, entbehrt jeglicher Logik.
    Die Lücke gilt es nach wie vor ein für allemal zu schließen. Dass die USK Bewertungen ablehnen darf, muss sich ändern.

    Bei solchen Themen frage ich mich auch immer wieder, wofür es eigentlich diese ganzen dubiosen Vereine wie den BIU eigentlich gibt.

  7. Pyri

    @haldolium
    Der Unterschied in der Wahrnehmung zwischen einem “Dead Space” und “Sniper Elite” betrifft die Wesen gegen die sozusagen Gewalt angewendet wird. In “Dead Space” verhalten sich menschliche Körper schonmal ähnlich wie Puppen, das heißt auch wenn sie als Staffagen in einem Szenenhintergrund zerteilt werden können rinnen aus ihnen – abgesehen vom Protagonisten – keine Körperflüssigkeiten, anders als bei den Necromorphs genannten fantastischen Gebilden die ihrerseits Werken wie “The Thing” geschuldet sind und die im Filmbereich so schonmal auch Jugendfreigaben in Deutschland erhalten haben.
    Ob im Bosnienkonflikt oder dem Zweiten Weltkrieg: die jüngeren Scharfschützenspiele sind abgesehen von Menschen für die deutsche Sichtweise wiederum deshalb schonmal problematischer weil “Scharfschützen” auch keiner unbedingt fiktionalen Fantastik entsprungen sind, sondern etwa sogar noch bei der Bundeswehr real ausgebildet werden, also durchaus nah zu Lebenswirklichkeiten sein können http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut/p/c4/NYw9D4MwDET_kUOo1K8NxNBuVYe2dKkMscASSZBlwtIf3zD0TnrL0515m9yAiQdUjgEn8zJtz-duhW51BH6ZlD05RkjsKKL0IycYiQQ6YhWkgT5lYUvz3K7ypI-BdKNSUM4cBDUKzFF02swikg2wM21hm9oein_s9_i4NdXltNs31_puZu-rH_UbGYE!/
    Wo ein “wir” bekanntlich “Deutschland dient”, jedenfalls formal keine “Leute umbringt”: und das darf eben nicht sein. Zumindest menschliche Körper müssen da ganz bleiben – auch ein Unterschied zwischen den “Medal of Honor”-Spielen von 2010 und 2012. Anders müsste halt andere “Kritik” induziert werden, vor allem in Form von Zurückhaltung, und darf es zu keiner Ästhetisierung von Gewalt kommen, weil das Schöne ideologisch nicht schrecklich wäre sondern zumindest immer eher “gut”, wobei darunter für gewöhnlich die chauvinistische Forderung der Zurückhaltung einer eigenen Gruppe verstanden wird – wo “Gewalt” etwa nur dann vorhanden wäre wenn sie NICHT aus den Augen verloren wird, wenn bei ihr NICHT weggesehen werden kann -, ja sonst sogar ständig ein “Problem” präsent ist, wie kürzlich über die kulturellen Sauberkeitsvorstellungen der Presse wie der Süddeutschen oder WASD erfahren werden konnte – ein “Problem” ähnlich wie das “Männerproblem Pornografie” aus dem ZDF-Nachtstudio.
    Und die ideele Grundlage von all dessen bleibt die staatliche Verankerung von “Menschenwürde”, beziehungsweise deren Auslegung. Es gibt in Deutschland nunmal auch kein Gesetz das Ausdrucksfreiheit umfassend und konkretisiert positiv garantieren würde, sondern höchstens “Zensur” wird negativ in Abrede gestellt, das heißt über bestimmte Begrifflichkeiten und andere “Freiheiten” gewissermaßen als Faktum nur geleugnet.
    Und so gibt es, bei aller Liebe, eher kein Recht auf Gewaltdarstellungen, sondern bloß eines für deren Verbot: Gewalt die bis zu Erziehungsfragen in “familiär” normierten Privathaushalten, bei Eltern/Kinder-Beziehungen, als “Gewalt” völlig außen vor bleibt. Auch “Unabhängigkeit” die kein 4players kritisch betrachtet.
    Nein, das wäre kein Unrecht sondern Recht. Alles zusammen, das heißt auch andere Communities und deren Denkweisen verachtend, denn so kann es auch nur eine Kommunität und damit deren Richtigkeit geben: das “denkt doch mal an die Kinder” und “was ihr aus denen macht”, denn “wir” wollen das nicht. “Wir” wollen ein “Aufwachsen ohne Gewalt”, Gesundheit und Sicherheit. Also denkt einmal nach bevor ihr schießt oder in Verbrechensspielen Leute anders umbringt, “wir” tun das schließlich. Wir sind noch dazu “kritisch”. Das ist nicht “unsere” Unterhaltung. Wir stellen friedensbewegt vielleicht Traumatisierte vor und warnen, denn diese Kranken sind es doch hoffentlich die “wir” alle nicht haben wollen: “wir” möchten leistungsfähige Menschen haben, die Glück und Zufriedenheit durch Arbeit und Erfolg erreichen. Keine “Kreaturen” (Dank an Roland Reber) aus BDSM-Studios, keine “Folterpornos” oder “Killerspiele”
    -
    Schließlich positioniert sich auch ein diverse Videospiele als “dumm” oder “krank” beschimpfender Journalist wie Carsten Görig beim Spiegel als Familienmensch, ohne zu erklären was auch er darunter versteht. Die “Familie” als die neue “Nation” in den Einstellungen, wer früher “national” eingestellt war ist heute “familiär” orientiert: die Kultur anderer Menschen, anderes Leben, über Abstraktionen etc. ausgrenzend, wenn schon nicht verfolgend. Entscheidend bleibt wer zur Keimzelle dieser “Familie” und ihrem entsprechendem Denken dazugehört und wer, welche Gesinnungsgemeinschaften und welches Leben, davon (besser) ausgeschlossen, exkludiert werden, denn wer keine Kinder bekommen kann adoptiert halt welche. Soviel “Sozialkompetenz” sollte jeder Mensch haben. Anderes Leben abwechselnd als militarisiert, sexistisch oder rassistisch verurteilend. Die Politik und Moral der eigenen Gruppe verherrlichend (sic!) – dem Herren von Familien opfernd – niemals (selbst) anders sein wollend, höchstens über vorhandene Normierungen, “Grenzen” die ihrerseits nicht hinterfragt werden. Übrig bleibt dabei nur die Störung von Bedürfnissen, anderen Eindrücken, Wünschen und Freuden Fremder, wobei dieses unerwünschte andere Dasein mitunter auch über Bestimmungen eingenommen, (sozial und familiär) kolonialisiert wird: selbstbestimmte Sexualität wird so fremdbestimmt, über zum Beispiel Mode, Konsum oder Kommerz. Und Fremdbestimmtes wird zu Selbstbestimmungen, eben über ein “wir” das wenn schon nicht offen biologistisch, so zumindest über einen Kommunitarismus versteckt entsprechend als etwas auftritt das nicht in Frage gestellt werden sollte. Einmal “unsere” Pensionen zahlt, Renten sichert und die Staatsverschuldung mindert weil die Idee eines Staates so schonmal mit dermaßen projeziert wird, von Familien und Privathaushalten ausgehend. Mit dieser Ökonomie und Rationalität die Zerstörung der Kultur des Einzelnen forcierend: nicht über traditionellen Kapitalismus sondern mit dem Kapital von Familien und deren moralischer Gewalt sich letztlich gegen jegliche Individualität richtend. Vor allem indem anderen Menschen ihre Menschlichkeit abgesprochen wird und deren Medien/Kultur zu “Gewalt” erklärt. Mit Fragen wie: was können “wir” gegen die “Gewalt in Videospielen” unternehmen, gegen die “Sexualisierung” oder “Militarisierung” einer normiert gedachten Jugend, was können “wir” dagegen tun. Damit das “wir” (noch) größer wird und sich noch mehr “unter uns” verstehen mögen -